Bigband Hofheim

Geschichte des Vereins

Es ist ungewöhnlich, dass unmittelbar nach einem Krieg ein Musikverein gegründet wird. Zweifellos bestand ein gewisser kultureller Nachholbedarf, woraus sich erklären lässt, dass im Frühjahr 1919 im „Pfälzer Hof“ acht musikbegeisterte Hofheimer Bürger einen Musikverein gründeten. 1919 – kurz nachdem die für Deutschland so folgenschweren Friedensverträge geschlossen wurden und Chaos und Durcheinander in der von fremden Soldaten besetzten Heimat herrschte.

Dies konnte den Optimismus der Vereinsgründer nicht beeinträchtigen. Unter der musikalischen Leitung von Jakob Hauck und dem Vorsitz von Julius Klopprogge sen. nahm der Verein seine Arbeit auf. Einmal wöchentlich trafen sich die Musiker zu den Orchesterproben und blad fanden immer mehr Musikliebhaber den Weg zu diesem Orchester. Bereits am 28. Dezember 1919 war man in der Lage, unter dem Namen „Salon-Orchester“ im damaligen Saalbau „Zum Löwen“ mit bereits 14 Musikern ein Konzert zu veranstalten. Aufgrund des guten Erfolges und des begeisterten Echos der Hofheimer Bevölkerung fand das nächste Konzert bereits knapp vier Wochen später, am 18. Januar 1920, statt.

Nach knapp einjährigem Bestehen zählte der Verein schon die stolze Zahl von 29 aktiven und 61 passiven Mitgliedern. Das nunmehr recht stattliche Salon – Orchester war jetzt weit über Hofheim hinaus ein Begriff. Konzerte zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten, sowie Gartenkonzerte und Bälle gehörten zu den regelmäßigen Veranstaltungen des Vereins. Besonderes Ereignis war das dritte Stiftungsfest am 1. und 2. Juli 1922, das beinahe in letzter Minute abgesagt worden wäre, da in diesen Tagen der Mord an Walther Rathenaus verübt wurde. So warfen politische und wirtschaftliche Ereignisse immer wieder ihre Schatten erschwerend auf die Vereinsarbeit, wie zur Zeit der großen Inflation 1922/23, während der keine Möglichkeit bestand, Konzerte zu veranstalten.

Auch die Geselligkeit wurde groß geschrieben, z.B. wird von einem Vereinsausflug berichtet, in dem es unter reger Beteiligung der Bevölkerung und Marschmusik über Kapellenberg und Kaisertempel nach Eppstein ging, wo Volksbelustigung mit Tanz für die Großen und Spiele für die Kleinen veranstaltet wurden.

Im September 1926 wagte man sich mit dem Gesangverein Concordia erstmals an eine Operetten-Aufführung. „O selige, goldene Jugendzeit“, hieß die erfolgreiche Darbietung. Dies wurde der Auftakt zu einer Serie von erfolgreichen Operettendarbietungen.

Neben dem Streichorchester hatte der Verein bereits damals ein Blasorchester. Das Jahr 1933 brachte dem Salon-Orchester eine „Umfunktionierung“, in dem sein Blasorchester zum SA-Musikzug beordert wurde. Der Beginn des Krieges beeinträchtigte die Tätigkeit immer stärker, und 1942 kam jegliche Vereinstätigkeit zum Erliegen. Nach dem Ende des Krieges war festzustellen, dass insgesamt 6 Musiker nicht mehr aus dem Krieg zurückgekehrt sind.

Erst 1948 konnte das Salon – Orchester seine Tätigkeit wieder aufnehmen. Der erste öffentliche Auftritt nach dem Krieg war am 5. Juni 1948 bei der Hofheimer Feuerwehr. 1949 führte man unter Mitwirkung des Sängervereinigung Marxheim wieder eine Operette auf. Hier übernahm mit Rudi Sperber ein neuer Dirigent den Taktstock, der 20 Jahre lang der Musikgruppe seine Richtung vorgeben konnte. Operettenaufführungen wurden zu teuer, Konzerte brachten dem Verein nicht genug ein, so dass man jährlich eine Tanzveranstaltung „Tanz in den Frühling“ durchführte.

Der Mangel an qualifizierten Streichinstrumentalisten machte sich bemerkbar, so dass man das Orchester 1960 ganz auf Blasmusik umstellte. Wie in den ersten Jahren des Vereinsbestehens, veranstaltete man wieder jährlich Familienausflüge, die man mit einem Gastkonzert verband.

Trotz großer Anstrengungen in der Konzertgestaltung schwand das Interesse der Hofheimer Bevölkerung an den Veranstaltungen des Orchester Vereins immer mehr, so wurden Konzertveranstaltungen in Nachbarstädte und -Gemeinden gelegt, häufig gemeinschaftlich mit den dort ansässigen Vereinen.

1969, zum 50jährigen Bestehen des Vereins, bestand der Verein immerhin aus 29 aktiven Musikern, die hochqualitative Konzertstücke aufführten, und aus dem Vereinsleben der Stadt nicht wegzudenken waren.

Die Zeit nach 1969 wird von einem Zeitzeugen, Herrn Herbert Müller, noch bearbeitet.

zuletzt aktualisiert am 24.6.09

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